Link verschicken   Drucken
 

Interessantes aus Wiesenau

HandwerksmeisterSchuhmacher Günter Schulz - Vertreter eines aussterbenden Handwerkes

Günter Schulz hat sieben Jahrzehnte als selbstständiger Schuhmachermeister gearbeitet. Seit zwei Jahren tritt der 92-Jährige kürzer.

01. November 2020, 10:47 Uhr•Wiesenau
Von Hagen Bernard

Günter Schulz in seiner Werkstatt: Der fast 92-Jährige repariert hin und wieder noch etwas für alte Freunde. Regelmäßig kommen deswegen noch Anfragen.

Günter Schulz in seiner Werkstatt: Der fast 92-Jährige repariert hin und wieder noch etwas für alte Freunde. Regelmäßig kommen deswegen noch Anfragen.© Foto: Hagen Bernard

 

Der fast 92-jährige Günter Schulz ist in Wiesenau der  Inbegriff eines fast ausgestorbenen Handwerkes – dem eines Schuhmachers.

Während einst die in Handarbeit gefertigten Schuhe viele Jahre halten mussten, werden die Treter seit 100 Jahren industriell gefertigt und sind auf schnelleren Verschleiß ausgerichtet.

Bis in die 1960er-Jahre hat Günter Schulz noch Schuhe nach individuellem Bedarf gefertigt, ein paar Halbschuhe habe damals um die 50 Mark gekostet. Oft hatte er einen Zwölf-Stunden-Arbeitstag. Der Beruf war für ihn Berufung, ein Hobby habe er nicht. Hunderte Leisten verschiedener Größen und Formen in seiner Werkstatt erinnern daran. Doch seit einem halben Jahrhundert sind seine Fertigkeiten auf die Reparatur begrenzt.

Gerade fragt eine Frau telefonisch an, ob er noch Schuhe repariere. Günter Schulz verneint. Zwar habe er seine Werkstatt mit dem Kanonenofen, der Step-, Ausputz- und Doppelmaschine, der Werkbank, den Regalen und den Schemel zum Sitzen, doch zum Arbeiten dort komme er nur noch selten. Wenn mal ein guter Bekannter drum bittet. Sieben Jahrzehnte war er selbstständig, den Meisterbrief hatte er am 25. Juni 1955 erhalten.

„Bis vor zwei Jahren habe ich regelmäßig Schuhe entgegengenommen, doch dann kam das Nasenbluten und die Herz-OP. Seitdem trete ich kürzer.“ Erst recht, als im Sommer seine gleichaltrige Frau Helga ihn für immer verließ. „Sie hatte bis zum letzten Tag sich um den Garten gekümmert.“ Man sieht es ihm an, dass er daran schwer trägt. Gerade hilft ihm seine Enkelin im Haus an der Rießener Straße, das sein Vater, ein Groß Lindower, 1929 gekauft hatte. Da war Günter Schulz ein Jahr alt.

Essen per Lieferservice - am liebsten Eintopf

Von der AWO kommt zweimal täglich jemand. Das Essen wird geliefert, am liebsten esse er Eintopf. Über das linke Bein kann er sich nicht mehr den elastischen Strumpf überziehen. Am anderen hat er eine Unterschenkelprothese. Da war er am 17. Mai im Garten hinter dem Haus auf eine Mine getreten. „Hier war Hauptkampfgebiet. Die meisten Gleichaltrigen waren umgekommen. Wir mussten mit dem Pferdefuhrwerk in die Halbe Stadt nach Frankfurt zur Operation. Die erfolgte unter Kerzenschein, als Narkose erhielt ich Branntwein.“

Glück im Unglück hatte Günter Schulz mit seiner Verletzung. „Mit der Prothese habe ich sogar getanzt. So manch einer weiß gar nicht, dass ich eine trage.“ Nun macht das ursprünglich gesunde Bein Probleme. „Wahrscheinlich sind da noch Splitter drin.“ Während das Gehör nachlässt, sind die Augen noch recht gut. Die Märkische Oderzeitung will er nicht missen. „Vor allem interessiert mich der Kreisteil.“

Handwerk in Frankfurt erlernt

Sein Handwerk erlernt hatte er in Frankfurt und Fürstenberg. „Der Meister sagte zu mir, in schlechten Zeiten geht es dem Schuster gut, jetzt ist es umgekehrt, es gibt nur noch die Orthopädie. Dafür habe ich aber keine Ausbildung. Vier Schuhmacher  waren wir damals, in den 50-er-Jahren war ich nur noch der einzige  hier.“

Bereits damals habe er sich zu seinem Handwerk etwas dazuverdienen müssen. So habe er sich bei einem alten Sattler im Ort, der nicht mehr nähen konnte, einiges angeeignet und fertigte später selbst Markisen. Werkzeugtaschen und reparierte Pferdegeschirr. „Das brachte mehr ein als die Schuhe.“

 

LebensgeschichteLPG und Kirchenältester – er prägte die Ortsgeschichte von Wiesenau mit

Hans-Joachim Schulz war vier Jahrzehnte Gemeindevertreter. Der 86-Jährige blickt mit seiner Frau auf ein arbeitsreiches Leben zurück.

31. Oktober 2020, 18:02 Uhr•Wiesenau
Von Hagen Bernard

Zu Hause: der langjährige Wiesenauer Gemeindevertreter Hans-Joachim Schulz

Zu Hause: der langjährige Wiesenauer Gemeindevertreter Hans-Joachim Schulz© Foto: Hagen Bernard

 

Vier Jahrzehnte hat Hans-Joachim Schulz in Wiesenau als Gemeindevertreter gewirkt. „Er hat viel für die Gemeinde getan. Er war in der LPG von Anfang an mit dabei und war viele Jahre Kirchenältester“, erinnert sich die stellvertretende Bürgermeisterin Heike Böttcher.

Jetzt ist Hans-Joachim Schulz 86 Jahre alt und lebt zusammen mit seiner Frau Martha etwas zurückgezogen in seinem Haus an der Kirchstraße 9, wo er auch geboren wurde. Beide sind in ihrer Mobilität beeinträchtigt.

Sein Vater hatte eine 19 Hek­tar große Wirtschaft, dort musste Hans-Joachim Schulz bereits als Schuljunge mit anpacken. Mit 14 Jahren hatte er – wie damals die meisten – die Schule verlassen und arbeitete bis 1960 als Einzelbauer. Zunächst mit drei Pferden, dann als die MAS (Maschinenausleihstation) kam, sattelte er auf die motorengetriebenen Pferdestärken um. Erst recht ab 1960 als LPG-Mitglied.

In erster Linie Traktorist

Dort arbeitete Hans-Joachim Schulz in erster Linie als Traktorist, fuhr Mähdrescher und war von 1983 bis 1989 Brigadier, unter anderem als Komplexleiter für Zuckerrüben. Zudem bildete er mit Lehrlinge aus. „Eigentlich bin ich so ziemlich alles gefahren, eine leitende Tätigleit hatte ich lange vermieden.“ 1991 ging er als 57-Jähriger in den Vorruhestand. Seine Rheuma-kranke Frau benötigte ihn.

Eigentlich habe er nie nach Höherem gestrebt, dennoch hat er lange das gesellschaftliche Leben des Ortes geprägt. Schließlich packte er mit an, wenn er darum gebeten wurde. So gehört er seit 1946 der Freiwilligen Feuerwehr an, war viele Jahre Löschmeister. Zudem organisierte er Fastnachts- und Erntefeiern. Ab 1962 war Hans-Joachim Schulz als Mitglied der Demokratischen Bauernpartei Deutschlands (DBD) Gemeindevertreter, seit 1961 DBD-Ortsvorsitzender. Ab 1964 amtierte er sogar als stellvertretender Bürgermeister, bis auch für den Stellvertreter-Posten ein SED-Mitglied verlangt wurde.

Er machte nach der Wende weiter

Während nach der Wende von den einstigen politischen Weggefährten kaum noch einer als Gemeindevertreter weitermachte, blieb Hans-Joachim Schulz noch drei Wahlperioden bis 1998 bei der Stange. Der damalige Bürgermeister Klaus Köhler habe ihn damals überredet, als Abgeordneter noch weiter zu machen. Da die DBD in die CDU aufgegangen war, kandidierte er fortan als Parteiloser. „Zuletzt war ich in der Gemeindevertretung als einziger aus der DDR noch übriggeblieben.“

Viele Jahre war er Kirchenältester, dabei Friedhofspfleger und Sargträger. Ursprünglich habe man ihm diese Kirchentätigkeit in der DDR ausreden wollen, doch davon wollte er sich nicht trennen. „Eher wäre ich aus der Bauernpartei ausgetreten.“, erklärt er. Als Kirchenältester hatte der Vater eines Sohnes und einer Tochter im Jahr 2007 aufgehört.

Auch im Vorruhestand legte er seine Hände nicht in den Schoß. So half er seiner Tochter beim Hausbauen. Um sein eigenes musste er sich beim Oderhochwasser 1997 intensiv kümmern. „Mehrere Zentimeter stand das Wasser im Wohnzimmer hoch.“ Davon ist jetzt nichts mehr zu sehen. Mit dem Geld aus der Hochwasserhilfe habe er renoviert und sich neu eingerichtet.

Ein arbeitsreiches Leben geführt

Sehr aufgeräumt sieht es im Wohnzimmer aus, der Sohn lebt im Haus, die in Eisenhüttenstadt arbeitende Tochter schaut abends regelmäßig vorbei. Hans-Joachim Schulz blickt auf ein arbeitsreiches Leben zurück, das bei ihm Spuren hinterlassen hat. Seit zwei Jahren benötigt er Gehhilfen, vor einem Jahr erhielt er eine neue Hüfte, vor zwei Jahren wurden ihm Stents gesetzt. Die nachlassende Gesundheit prägt den Alltag. Insgesamt ist Hans-Joachim Schulz mit seinem Leben zufrieden, zumal er ja auch noch seine Frau bei sich hat. „Wir haben uns immer gut vertragen. Und wenn es dann kommt, kann man nichts machen. Schließlich wird nicht jeder 86 Jahre alt.“

Kontakt

Telefon:  0170 1797376

E-Mail: 

Veranstaltungen